Peru

Im Reich des Kondors

Unsere Reise zu den Stätten der Inka

 


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Ankunft in Lima und Weiterflug nach Cuzco

Peru, das Land dem unsere erste große Reise gilt. Da sich unsere Fernreisekenntnisse in Grenzen halten, wir haben nämlich gar keine, vertrauen wir uns für 17 Tage der Organisation des DAV Summit Club an. Unsere Mitreisenden haben wir schon in Amsterdam getroffen. Zu unserer Gruppe gehören Elke von der Mosel, Peter, Brigitte und Klaus, Jörg und Michael aus Bayern, Franz aus Würzburg, Reinhard aus Hannover, Margrit und Gerhard aus Köln, Daniela und Ronny aus der Nähe von Magdeburg und natürlich Aldo Guerrero unser Reiseleiter und Bergführer des DAV Summit Club. Mit Dagmar und mir sind es dann 15 Personen, die gemeinsam das Reich des Kondors erkunden.

Wir beginnen unser Abenteuer Peru in Lima, der Hauptstadt Perus, am Hotel „La Hacienda“. Aber eigentlich stimmt das gar nicht, denn für uns, Dagmar und mich, beginnt die aufregende Zeit, wenn wir die Monate der Vorbereitung einmal außer Acht lassen, schon auf dem Hamburger Flughafen. Von hier fliegen wir mit der KLM nach Amsterdam wo wir einen Zwischenstopp einlegen. Ab Amsterdam fliegen wir nun in 13 Stunden über den Atlantik und über den Regenwald des Amazonasbeckens in Südamerika nach Lima, der Millionen-Metropole Perus.

In Lima verbringen wir nach dem anstrengenden Flug unsere erste Nacht inmitten einer für uns ungewöhnlichen Geräuschkulisse. Die Sirenen der Rettungs- und Polizeifahrzeuge werden fast ständig ergänzt von Pfiffen der den Verkehr regelnden Polizisten. So etwas wie Ruhe tritt erst in den frühen Morgenstunden ein und ist dann aber auch schnell wieder vorbei, denn das Monstrum, wie Peruaner ihre Stadt nennen, erwacht früh. Vom Hotel „La Hacienda“ im Nobel-Stadtteil Limas „Miraflores“ fahren wir nun mit dem Bus zu dem, nach dem berühmten peruanischen Flieger Jorge Chávez benannten, Flughafen. Ein Inlandsflug mit der Peruvian Airline bringt uns über die schneebedeckten Gipfel der Anden weiter nach Cuzco, der alten Hauptstadt der Inkas.

Cuzco ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region und der Provinz Cuzco im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Sie liegt in 3.416 m Höhe und hat etwa 320.000 Einwohner.

Nach dem Einchecken im Hotel geht es schon gleich auf die erste Erkundungstour in Cuzco. Hier treffen wir auch unseren einheimischen Reiseführer „Mauro“. Er wird uns die nächsten Tage im Raum Cuzco begleiten und nicht nur das Land, die Geschichte und die Menschen, sondern auch die noch immer praktizierten Bräuche der indigenen Bevölkerung nahebringen.

Fremd und faszinierend zugleich. Die Stadt nimmt uns mit ihrer Atmosphäre sofort gefangen. Durch das, für uns noch fremden Straßenwirrwarr führt uns Mauro, vorbei an beeindruckenden Bauten, in das Zentrum des ehemaligen Inkareichs. Der Sage nach wurde die Gegend um Cuzco in grauer Vorzeit von den Tampus, einem Volk der Quechua-Indianer, bewohnt. Sie sollen die ersten Menschen gewesen sein – älter seien nur die Götter. Um das Jahr 1200 herum gründete der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, mit seiner Schwester Mama Ocllo die Stadt. Genauere Überlieferungen gibt es erst vom 9. Inka, Pachacútec Yupanqui. Während seiner Regierungszeit von 1438 bis 1471 erweiterte er das Inkagebiet in den Zentralanden vom Titicacasee bis nach Junín. Das Reich wurde nach den vier Himmelsrichtungen aufgeteilt, seine Flagge war die Regenbogenfahne und Cuzco entwickelte sich zum wirtschaftlichen und kulturellem Zentrum. Das Wort Cuzco entstammt dem Quechua und bedeutet so viel wie „Nabel der Welt“.

Am 16. November 1532 nahm Francesco Pizarro mit seinen Konqestadoren den 12. Inka Atahualpa, gefangen und marschierte gegen Cuzco. Er erreichte die Stadt am 15. November 1533 und plünderte und brandschatzte sie. Er ließ fast alles Gold und Silber einschmelzen und Tempel und Paläste abreißen. Nur wenige Mauern widerstanden den Verwüstungen. Die Steine wurden dann zum Errichten der kolonialen Bauten verwendet. Auf der Plaza de Armas wurde Atahualpa von den Spaniern hingerichtet. Auch der Versuch seine Freiheit mit Kammern voll Gold und Silber zu erkaufen war nicht erfolgreich. Mehr als drei Monate brachten die Inkas Gold und Silber nach Cajamarca und die Schmelzöfen brannten angeblich 34 Tage lang, um die Gold- und Silberschmuckstücke einzuschmelzen. Man geht heute davon aus, dass die Spanier den Inkas insgesamt ca. 16 Tonnen Gold und 180 Tonnen Silber geraubt haben. Die Spanier scherten sich jedoch nicht um Absprachen und erdrosselten Atahualpa heimlich in der Dunkelheit eben auf dieser Plaza. Von den Einheimischen wird seither dieser Platz auch „Platz der Tränen“ genannt.

Unser nächstes Ziel ist die Kathedrale von Cuzco. Sie wurde von 1560 bis 1654 auf den Grundmauern des Palastes des 8. Inka Viracocha erbaut. Leider sind hier Foto- und Filmaufnahmen untersagt. Schade, denn etwas Prunkvolleres haben wir bisher noch nicht gesehen. Die Altäre sind über und über mit Gold verziert. Was für ein Kontrast zu dem sonst eher armen Land. Berühmt geworden ist übrigens auch eine Version des Letzten Abendmahls in der Kathedrale von Cuzco. In dem Gemälde findet sich kein Brot wie auf gewohnten Darstellungen auf dem Teller. Stattdessen blicken Jesus und seine Jünger auf das Festessen der einheimischen Bevölkerung: Cuy, ein gebratenes Meerschweinchen. Und die typischen peruanischen Trinkgefäße der Jünger enthalten Chicha, das dunkle Maisbier.

Weiter geht es nun zum alten Inka-Palast. Die Mauern, bzw. deren Bauart ist beeindruckend. Die so oft zitierte Rasierklinge passt wirklich nicht zwischen die Fugen.

Die nächste Stätte, die wir besichtigen, ist das Kloster Santo Domingo. Dieses  im spanischen Stil, mit schönen Arkadengängen, errichtete Kloster wurde auf den Mauern des ehemaligen Tempels der Sonnenjungfrauen begründet. Beim Einmarsch der Konquistadoren 1533 wurde der Tempel bis auf die Grundmauern geschliffen. Mauro versucht uns zu veranschaulichen, wie aufwendig und herrlich die einzelnen Tempelelemente und der dazu gehörige Garten des Sonnentempels, mit Gold und Silber gestaltet, ausgesehen haben müssen. Mauro führt uns zu einer goldenen Platte an einer Wand des Tempels. Er erläutert uns anhand der darauf dargestellten Abbildungen das Weltbild der Inka. Diese goldene Sonnenscheibe stellt nämlich den Kosmos der Inka mit den Gottheiten „Inti“ für die Sonne und „Pachamama“ für die Erde sowie der Ober- und Unterwelt dar.

Besuch der Inka-Stätten um Cuzco

Heute unternehmen wir in der näheren Umgebung von Cuzco eine kleine Wanderung zu bedeutenden Stätten der Inka. Unser erstes Ziel ist die Ruine der Inkafestung Sacsayhuamán. Sie ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten aus der Inkazeit und liegt in unmittelbarer Umgebung von Cuzco. Wir haben heute besonderes Glück, denn zweimal im Jahr finden hier Feste der einheimischen Bevölkerung statt. Das Wichtigste ist das Alljährlich  am 24. Juni zur Feier der Sonnwende stattfindende farbenprächtige Festspektakel Inti Raymi. Dieses bekannte Fest zieht neben dem peruanischen Präsidenten auch immer tausende Zuschauer an. Das zweite Fest ist ein Initiierungsfest, dem wir heute beiwohnen dürfen. Bei diesem Fest zeigen Mädchen und Jungen, die sich farbenfroh zu Recht gemacht habe, was sie traditionell in ihrer Kindheit gelernt haben. Dieses Fest wird von der einheimischen Bevölkerung und ist nicht als Touristenattraktion gedacht. Aus dem ganzen Umland sind die Menschen angereist und sitzen auf den umgebenden Felsen, um sich die tänzerischen Darbietungen ihrer Kinder anzuschauen. Beeindruckend ist die offensichtliche Freude, mit der diese Kinder teilnehmen. Es ist eine ganz wunderbare Stimmung - die aufgeregten, lachenden Kinder, die Musik, die beeindruckenden Ruinen. Unserem Wunsch, einfach nur hier zu sitzen und ein wenig teilhaben zu können an diesem einnehmenden Ereignis, können wir leider nicht nachgeben und bedauernd folgen wir Mauro und seinen Erklärungen, begleitet von den Klängen der Musik.

Der Bereich um Sacsayhuamán war der am meisten gefährdete Zugang zur Inka-Hauptstadt Cuzco. Deshalb wurde vom Inka König der Bau einer ca. 600 m langen Festungsanlage angeordnet. 20.000 bis 40.000 Menschen sollen an den Zyklopenmauern 70 Jahre lang gebaut haben. Die Passgenauigkeit der tonnenschweren Steine ist imponierend. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Ungeklärt ist, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder Rad noch Rolle kannten. Für die Bearbeitung verwendeten sie spezielle Steinwerkzeuge, denen selbst harter Granit nicht standhielt.

Unser nächstes Ziel ist Tambo Machay, das Bad der Inka. Es ist ein Wasserheiligtum in der Nähe von Cuzco ebenfalls aus der Inka-Zeit. Dort ergießt sich das Wasser in Kanälen über vier terrassenförmige Ebenen. Dafür wurde der natürliche Felsen behauen und künstliches Mauerwerk eingearbeitet. Mehrere Nischen im Fels führen das Wasser zu den Wasserspielen. Eine Quechua-Legende schreibt den drei kleinen Wasserläufen besondere Wirkungen zu. Trinkt man von dem Wasserlauf rechts unten, so soll man davon jünger werden, trinkt man vom Wasserlauf links unten, so wird man Zwillinge bekommen, und der obere Wasserlauf soll eine segnende Wirkung haben. Diese künstliche Anlage zeigt den Respekt, den die Inka vor der Natur hatten, aber auch ihre Herrschaft über sie.

Nun wandern wir mit leichtem Tagesrucksack in Richtung Cuzco. Wir kommen durch landestypische Ansiedlungen mit ihren einfachen Lehmziegelhäusern. Auf den Dächern befinden sich Skulpturen aus Ton in Form von Stieren. Sie sollen als Glücksbringer den Bewohnern zu Glück und Reichtum verhelfen. Die typischen Lehmziegel, bestehend aus einem Gemisch aus Lehm und Gras oder Stroh und werden hier in der Sonne getrocknet. Diese Lehmziegel sind ein wichtiger Bestandteil der Bauarchitektur dieser Gegend.

Vorbei an Anbauflächen für Kartoffeln und Getreide und an Weideflächen für Schafe führt unser Weg immer in Richtung Cuzco hinab. Bald taucht eine archäologische Ausgrabungsstätte auf, der Mondtempel. Diese archäologische Stätte besitzt eine der schönsten Inkakonstruktionen in einer Höhle, zu der sie exakt bearbeitete Felsen hinzufügten, die perfekt ineinander passen ohne einen Millimeter Platz zwischen den Steinen zu lassen. Die Struktur hat schöne gewölbte Nischen und leere trapezförmige Einbuchtungen nach typischer Inkaart. Vor der Höhle gibt es einen Felsen in Form eines Altars, was zu der Annahme führt, dass dies ein Platz für Opferungen war. Leider darf man sie im Moment nur von außen betrachten, da man Angst hat, dass die vielen Touristen wichtige Spuren der Vergangenheit stören. Vor dem Eingang sitzend erläutert Mauro uns die Symbolik von Schlange, Kondor und Puma deren Abbildungen im Bereich des Eingangs in den Stein gehauen wurden und teilweise noch sichtbar sind. Die Darstellungen von Puma und Kondor wurden von den Spaniern herausgeschlagen. Der Glaube der Inka richtete sich danach, dass die Welt aus drei Ebenen besteht, der Oberwelt, der "normalen" Welt sowie der Unterwelt. Hierbei stellen die Schlange die Verbindung zur Unterwelt und der Kondor die Verbindung zur Oberwelt dar.

Weiter geht es nun zur Anlage von Kenko, dem sogenannten Tempel des Pumas. Sie  liegt oberhalb der Stadt Cuzco und ist bisher nur zu knapp 15% erforscht. Den Bereich, den man bereits freigelegt hatte, umfasst den zeremoniellen Bereich der Anlage. Im vorderen Teil kann man Nischen an den Wänden sehen, in denen bei Ritualen die Mumien der Verstorbenen untergebracht wurden. In diesem Bereich wurden die Verstorbenen in der normalen Welt bei den Göttern abgemeldet. Nach diesem Vorgang wurden die Mumien durch einen Felsengang, der eine Schlange andeuten soll, zu einem weiteren Raum gebracht, in dem diese dann in der Unterwelt angemeldet wurden. Wieder erläutert Mauro uns sehr anschaulich die Rituale um die Verstorbenen für Ihre Reise in die Unterwelt vorzubereiten.

Nun kommen wir wieder in den Stadtbereich von Cuzco. Wir müssen ein Stück an der Hauptstrasse gehen. Der Fahrzeugverkehr ist für uns wieder sehr gewöhnungsbedürftig. Über eine lange Treppe geht es nun wieder hinab nach Cuzco.

Wieder in Cuzco angekommen haben wir Gelegenheit einem Fest von Einheimischen beizuwohnen. Hier wird der traditionelle Peitschentanz aufgeführt. Bei diesem Tanz peitschen sich die Darsteller gegenseitig und erinnern somit auf althergebrachte Weise an die Tradition der Tierhaltung.

Nach dem wir wieder im Hotel angekommen sind, nutzen Dagmar und ich noch die freie Zeit bis zum Abendessen und sehen uns noch einmal in Cuzco um. Die früh einsetzende Dunkelheit lässt die Plaza de Armas und die umliegenden Gebäude in einem magischen Licht erstrahlen. Wir genießen diese besondere Stimmung im Abendlicht und man spürt den Atem der vergangenen Zeiten. In der Iglesia la Merced wohnen wir einer Messe bei und haben so einen Ruhepol an diesem ereignisreichen Tag für uns gefunden.

Am Abend treffen wir noch den Einheimischen Führer Dimas zu einer Vorbesprechung für unser 6-tägiges Zelttrecking in der Cordellera Urubamba. Dimas und seine Begleitmannschaft werden mit uns zusammen in zwei Tagen in Huaran aufbrechen und uns umsorgen. Zum Abschluss des Tages gehen wir mit unserer Gruppe in das "Pachacutec", einem folkloreträchtigen Lokal, essen. Die Musik einer regionalen Gruppe und Tanzeinlagen begleiten unseren Aufenthalt.

Lama-Station, Pisac und Ollantaytambo

Heute fahren wir mit einem Kleinbus zu den Inka-Stätten Pisac und Ollantaytambo. Wir legen einen kurzen Stopp in einer Comunidad ein, in der Strick- und Webarbeiten hergestellt werden. Der Besuch beginnt bei den Kleinkamelen der Anden. Wir lernen Vertreter von Guanaco, Lama, Alpaka und Vikunja und deren Unterschiede kennen. Das Lama ist groß und kräftig, die Alpakas eher etwas kleiner. Das Lama wird in den Anden Südamerikas vor allem als Trag- und Fleischtier gehalten, das Alpaka ausschließlich als Woll-Lieferant. Vikunjas sind im Gegensatz zu Lamas und Alpakas keine domestizierten Tiere, sondern Wildtiere, die vom Menschen genutzt werden. Ob ihrer graziösen Erscheinung werden die Vikunjas auch die Prinzessinnen der Anden genannt. Wir haben hier die Gelegenheit, den Menschen bei der Herstellung der Wolle, dem Färben und beim geschickten Handarbeiten zuzusehen. Die Ponchos werden so fest gewebt, dass sie sogar wasserdicht sind. Also das Gore-Tex der Anden.

Nachdem wir alle Mitreisenden unserer Gruppe wieder eingesammelt haben, einige Damen haben in den Verkaufsräumen ein wenig länger verweilt, fahren wir mit dem Bus nach Pisac. Wir fahren durch das heilige Tal der Inka, dem Urubamba-Tal, und gewinnen Meter um Meter an Höhe. Die ehemalige Bergfeste Pisac - heute eine Ruine - liegt 30 Kilometer von Cuzco entfernt. Die Festung Pisac ist fünfmal größer als die sagenumwobene Inka-Stadt Machu Picchu. Gleich zu Beginn kommen wir zu den berühmten Inka-Terrassen. Die Terrassen sind stufenartig in den Berghang angelegt, um die Anbaufläche zu erhöhen. Zum Teil sind die einzelnen Stufen nur ein paar Meter breit, je nach dem wie steil es an dieser Stelle ist. Angebaut wurden hauptsächlich Mais, Kartoffeln, Quinoa, Amarant, Kürbis, Tomaten, Erdnüsse und Paprika. Die Inkas benutzten die Terrassen auch als Versuchsfelder, um Pflanzen aus dem Amazonas an die Höhe zu gewöhnen. Mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem sind die Terrassen noch heute funktionstüchtig.

Wir wandern nun durch diese Terrassen unterhalb der Bergfeste und können in den Lehmwänden alte Gräber entdecken. In diesen Erdhöhlen wurden die Toten zusammen mit einigen Opfergaben bestattet. Oft sind diese Gräber aber schon in früherer Zeit geplündert worden. In Pisac sind die Stadttore und zahlreiche Bauten trotz der jahrhundertelangen Erosion noch gut erhalten geblieben. Der Weg ist teilweise ziemlich steil und eng. Wir kommen immer wieder an alten Ruinen vorbei und sind wieder einmal erstaunt, wie präzise zu dieser Zeit ohne technische Hilfsmittel gearbeitet wurde. Die einzelnen Mauersteine sind exakt behauen und passen genau ineinander.

Nach einiger Zeit gelangen wir auf ein Plateau auf dem eine weitläufige Tempelanlage errichtet wurde. In der Mitte des Tempelbereichs liegt der Intihuatana, ein mächtiger Felsbrocken, von dem die Inka glaubten, an ihm sei die Sonne angebunden. Dieser Ort markiert genau die Mitte des Tempelbereiches. Rund um das Intihuatana stehen die Mauerreste der Tempel, Priesterpaläste und Mausoleen im typischen Inka-Baustil. Die tonnenschweren Blöcke sind mörtellos aufeinander gesetzt, nur trapezförmige Durchgänge auf denen wiederum tonnenschwere Abdecksteine liegen, unterbrechen die Mauern.

An einer Stelle der Anlage befindet sich ein Opferstein. Er ist genauso zur Sonne ausgerichtet, dass er am Tag der Sonnenwende um 12:00 Uhr zu beiden Seiten keinen Schatten wirft. Heute ist der 21. November und pünktlich zur Mittagszeit können wir dieses Phänomen beobachten. Hier demonstriert uns Mauro ein Ritual, mit dem Neugeborene vor den bösen Geistern beschützt werden sollen. Eltern beauftragen Schamanen mit der Durchführung dieser Zeremonie. Als Opfergaben dienen Coca-Blätter und der getrocknete Fötus eines Lamas.

Nun wandern wir entlang der weitläufigen Terrassen hinunter in den Ort Pisac wo der schon Bus wartet, der uns nach Urubamba bringt. Hier in Urubamba machen wir einen kleinen Zwischenstopp um uns für den weiteren Tag zu stärken. Uns fallen die vielen Moto-Taxis auf, die für Urubamba so typisch sind.

Am Nachmittag besichtigen wir die imposante Anlage Ollantaytambo im Urubamba-Tal. In der Quechuasprache heißt Ollantaytambo “Speicher meines Gottes”. Sie ist das einzige verbliebene Beispiel für die Stadtplanung aus der Inka-Zeit. Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Nach einer Legende soll ihr Gott Viracocha die Inka angeleitet haben, die Stadt zu bauen. Die Stadt liegt in einer Höhe von 2.792 Metern. Auf der bergzugewandten Seite von Ollantaytambo befindet sich der imposante Inka-Komplex, der, auf Grund seiner außerordentlich starken Mauern, landläufig „fortaleza“, auf Deutsch „Bollwerk“ oder „Festung“, genannt wird. Tatsächlich war dieser Komplex strategisch günstig gelegen, um das Heilige Tal der Inka zu dominieren. Hier zog sich auch Manco Cápac II. nach dem Fall Cuzcos an die Conquistadoren zurück, um seine verbliebenen Soldaten zu sammeln. Die Inka bauten in Ollantaytambo Verwaltungs-, Landwirtschafts-, Militär-, und religiöse Einrichtungen.

Perus Regierung will dafür Sorge tragen, dass die Kinder das Erbe der vergangenen Kulturen in Erinnerung halten und den Leistungen ihrer Vorfahren mit Respekt begegnen. Zu diesem Zweck werden diese kulturellen Stätten oft von Schulklassen besucht.

Wir steigen über lange Treppen auf die oberen Etagen der Anlage empor. Bei der dünnen Luft kommen alle ziemlich außer Atem. Im oberen Bereich liegt der Sonnentempel der Anlage. Er diente den Beobachtungen des Sonnenlaufs. Mit diesen Erkenntnissen wurden dann die Pflanz- und Erntezeiten festgelegt. Es wirklich beeindruckend, wie die damaligen Menschen mit einfachen Mitteln diese tonnenschweren Felsblöcke hier herauf geschafft und bearbeitet haben. Entgegen früherer Überzeugung vermuten einige Archäologen, dass das Rad den Inka wohl doch bekannt war. Da ein Rad jedoch mit der Sonnenscheibe und somit mit dem Gott Inti so eine große Ähnlichkeit aufweist, durfte es aus Glaubensgründen nicht verwandt werden.

Morgen werden wir zu einem 6-tägigen Zelttrecking um die Cordollera Urubamba starten. Unsere heutige Übernachtung war eigentlich in Yanahuara geplant. Da aber für den morgigen Tag ein Generalstreik in Peru angekündigt ist und dann voraussichtlich die Hauptstraße im Urubamba-Tal gesperrt sein wird, quartieren wir uns kurzer Hand schon in Huaran ein, um von hier aus unkompliziert zu starten. - So ist das halt manchmal in Südamerika.

 


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Trecking 1. Tag

Aldo hat für die Gruppe eine Großpackung Moskitoabwehrmittel gekauft. Es ist relativ warm und von daher müssen wir mit den kleinen Plagegeistern rechnen sagt er. Wir halten diese Maßnahme für ziemlich überflüssig – getreu dem Motto „Was soll schon passieren“. Trotzdem reiben wir alle uns mit dem Mittel ein – man weiß ja nie. Wir beginnen unser 6-tägiges Zelttrecking in Huaran wo wir auch übernachtet haben. Von hier geht es erst durch üppige Vegetation im Hochland nach Cancha Cancha.

Wie angekündigt findet heute wirklich der Generalstreik statt und die Straße ist gesperrt. Aber durch Aldos vorausschauende Wahl unserer Übernachtungsmöglichkeit werden wir nicht beeinträchtigt und marschieren an den Streikposten vorbei. Mit dem Fahrzeug wäre heute nicht an ein Fortkommen zu denken gewesen.

Wer so mutig war, wegen der Wärme die Hosenbeine hochzukrempeln und so ein wenig für Ventilation zu sorgen oder zu lässig die Lotion zur Mückenabwehr aufgetragen hat, muss nun mit den juckenden Stellen leben. Schnell gehen bei den meisten die Hosenbeine wieder runter. Brigitte hat es ziemlich stark an der Hand erwischt, sie ist schnell stark angeschwollen. Der Reihe nach bedienen wir alle uns schleunigst wieder aus der Familienpackung „Mückenschutz“.

Schon bald haben wir unseren ersten Kontakt mit unserer Begleitmannschaft. Die Kochmannschaft und ihre Pferde holen uns ein. Als wir eine kleine Pause machen, werden wir von der zweiten Gruppe unserer Begleitmannschaft eingeholt. Es sind die Lamatreiber mit den Tieren, die unsere großen Reisetransporttaschen auf dem Rücken transportieren. Lamas, so wird uns erzählt, tragen nicht mehr als ungefähr 25 Kilogramm. Bürdet man ihnen mehr auf, so legen sie sich einfach hin, sozusagen ein eingebauter Überlastschutz. Dass Lamas nicht nur in Witzen spucken, erfährt Klaus schon bei dieser ersten Begegnung. Plötzlich, ohne Vorwarnung, fängt der Leithengst an ihn zu bespucken. Das lässt uns für die Zukunft respektvoll Abstand zu den Tieren halten.

Im Talboden beobachten wir Bauern bei der Bewirtschaftung Ihrer Felder. Die ganze Familie ist mit eingebunden. Wichtig ist in diesem armen Land der Einsatz des Viehs. Ochsen sind oft das einzige Kapital, das die Bauern ihr Eigen nennen.

Die Vegetation im Cancha-Cancha-Tal ist noch recht üppig. Wir bewegen uns hier auf etwas über 3.000 Höhenmetern. Einige Pflanzen wirken vertraut, andere sind ungewohnt wie, zum Beispiel die Bromelien, oder auch gänzlich unbekannt. Aufgrund fehlender Jahreszeiten verlieren die Bäume in Peru nie alle Blätter. Das Klima ist über das ganze Jahr gesehen relativ konstant und unterscheidet sich eigentlich nur durch die Phasen der Regenzeit im Sommer bzw. der Trockenzeit im Winter.

Leider trübt der Tag immer mehr ein und schließlich fängt es an zu regnen. Zum Glück können wir den Schauer im Gruppenzelt bei einem Mittagessen verbringen, das die Begleitmannschaft wie an allen folgenden Tagen auch, zum Lunch für uns aufgebaut hat. Zum Glück hält der Regen nicht weiter an und so können wir das Regenzeug auch schon bald wieder ablegen.

Plötzlich erreichen wir das Dorf Cancha Cancha mit seinen Andentypischen Einfriedungen aus Steinmauern. Innerhalb dieser Einfriedungen halten die Einwohner ihr Vieh. Cancha-Cancha ist unser erster Übernachtungsort. Er liegt auf 3.950 Meter Höhe. Die Zelte für heute Nacht und für die nächsten Nächte werden verteilt.  Unseres trägt die Nummer 16.

Nach dem Bezug der Zelte besteigen wir zur Akklimatisation an die Höhe der nächsten Tage eine kleine Erhebung mit knapp 4.000 Metern Höhe in der Nähe des Lagerplatzes. Für einige bedeutet das den persönlichen Höhenrekord was mit einem Gipfelbier begossen wird.

Bei unserem ersten gemeinsamen Abendessen auf dem Trekking stellt uns Aldo unsere neunköpfige Begleitmannschaft vor. Sie setzt sich zusammen aus Dimas, der die Leitung hat, Andres, dem Koch, und seinen zwei Helfern und fünf Lama- und Pferdetreibern.

Trecking 2. Tag

Morgens früh erscheint Dimas mit den zwei Helfern der Kochmannschaft und es gibt einen Early Morning Tea. Das heißt wir können zwischen Kaffee, Coca-Tee oder schwarzem Tee wählen. Bei diesem nun allmorgendlichen Ritual kann sich Dimas schon zu Beginn des Tages ein Bild über das Befinden jeder einzelnen Person machen. Und das ist sehr sinnvoll, denn so weiß er schon gleich ob es zum Beispiel Probleme mit der Höhe gibt.

Nach dem guten Frühstück, es gibt an den einzelnen Tagen so leckere Dinge wie Rührei, Pfannkuchen, French Toast oder Grießbrei, packen wir unsere Sachen. Unsere grünen Transporttaschen werden auf einer Plastikplane für die Verladung auf die Lamas gesammelt. Die leeren Zelte werden schnell von der Mannschaft abgebaut.

Sehr angenehm überrascht sind wir von der Isolationswirkung unserer Daunenschlafsäcke. Denn bei einer Zeltinnentemperatur von nur ca. 5 Grad Plus konnten wir die Nacht, nur mit Unterwäsche bekleidet, sehr entspannt verbringen.

Im Morgenlicht verlassen wir Cancha-Cancha. Zum Anfang führt unser Weg im Talboden an einem Bachlauf entlang. Aber schon Bald steigen wir, wenn auch fast unmerklich, immer bergauf. Wir wandern durch eine Herde von Alpakas, die sich von uns nicht stören lassen.

Die Dörfer der Region sind alle ähnlich aufgebaut. Um die Häuser sind lange Steinmauern aufgeschichtet, die als Begrenzung aber auch als Gehege für das Vieh dienen. Die Wohnhütten beherbergen einen einzelnen Raum der zugleich als Küche, Schlafraum und Wohnraum dient. Diese Bauten haben keine Fenster da sie so am besten vor den sehr kalten Nächten schützen. Da die Herdstellen eine offene Feuerstelle und keinen Schornstein haben, erfolgt der Rauchabzug über das Dach, das aus Ichugras besteht. Entsprechend muss auch die Rauchentwicklung im Inneren sein der die Bewohner ausgesetzt sind. Das Ichugras wird in der Umgebung geschnitten. So ein Dach hält ca. ein Jahr und muss dann erneuert werden.

Wir erblicken ein Viscacha. Das Viscacha ist das Äquivalent zu den Murmeltieren der Alpen. Sie gehören zur Familie der Chinchillas. Zur Linken erblicken wir einen schneebedeckten Gipfel – den Nevado Chicon. Er ist 5.700  Meter hoch.

Langsam gewinnen wir an Höhe, an die dünne Luft müssen wir uns erst gewöhnen. Außerdem wird es zunehmend kälter. Die Vegetation hat sich hier oben geändert. Moosähnliche Pflanzen dominieren nun. Langsam erklimmen wir den anvisierten Pass. Punto Alto - auf 4.705 Metern Höhe. Es zieht dicht und beginnt auf dem Pass sogar zu graupeln. Ein Blick auf unsere Schuhe lässt die Frage aufkommen, ob es sich hier vielleicht um eine "Dreckingtour" handelt. Nun geht es hinab zu unserem heutigen Pausenplatz an dem Begleitmannschaft schon das Gruppenzelt aufgebaut hat. Nach der Pause mit Geflügelsuppe und Coca-Tee geht es nun nur noch weiter hinunter in das Tal.

Kalt ist es bei unserer Ankunft in unserem Lager in Quishuarani. Wir werden mit lauter Musikbeschallung, wieder aus einem Druckkammer-Lautsprecher empfangen. Heute lernen wir beim Abendessen eine wichtige Vokabel von Dimas: "Yapa“...  Es ist spanisch und bedeutet so viel wie „Zugabe“ oder „Nachschlag“. Ab heute wird es von uns oft und gerne angewandt.

Trecking 3. Tag

Am frühen Morgen, wir liegen noch schlafend in den Zelten, werden wir von lauter Musik aus dem Schlaf geschreckt. Irgendein Bursche aus dem Dorf hat sein Radio, gekoppelt mit einem Druckkammerlautsprecher, auf volle Lautstärke gedreht um das gesamte Dorf zu wecken. Mit den Worten „Next mornig, we want another DJ“ beschwert sich Michael scherzend über dieses Ereignis bei Dimas und Aldo.

Der Morgen bekommt für uns jetzt schon ein wenig Routine. Wecken – Aufstehen – Katzenwäsche – Sachenpacken – Frühstücken. Wie jeden Morgen sammeln wir unsere grünen Transporttaschen auf der Kunststofffolie für den Abtransport. Die Helfer bauen derzeit schon die Zelte ab.

Weit oberhalb des Dorfes Quishuarani ziehen wir auf einem Pfad am Berghang entlang. An einem dieser mobilen Shopping-Center kauft Aldo Chicha, das dunkelbraune Maisbier. Chicha ist ein alkoholhaltiges Getränk, das hauptsächlich aus Mais gewonnen wird und mit Bier, im weitesten Sinne, vergleichbar ist. Schon die alten Inkas genossen dieses Getränk.

Die Berglandschaft unterscheidet sich schon deutlich von den Alpen. Blanker Felsen ist selten zu sehen, die Berge und Täler sind überzogen mit einer brauen Erd- und Grasschicht. Diese Höhenstufe in den Anden, ca. 4.000 m bis 4.800 m, nennt man ‚Puna‘, ebenso wie die hierfür typische Grasvegetation.

Der höchste Punkt ist erreicht. Wir genießen eine schöne Aussicht trotz der tief hängenden Wolken.  "Andres, Andres", Dimas nimmt wieder per Funk Kontakt mit unserem Koch auf und kündigt eine hungrige Meute an. Am Ende des Sees erwartet uns schon die Kochmannschaft.

Der Abstieg wird von Aldo geführt. Herab geht es an einem Bergabbruch vorbei. Mittlerweile klagen so viele über Probleme im Magen- Darmbereich, dass klar ist, dass wir es wohl mit einem Virus in der Gruppe zu tun haben. Die Begleitmannschaft ist genauestens darum bemüht, dass vor dem Essen immer alle die Hände waschen. Dafür wird eigens Wasser erwärmt und Seife liegt auch bereit. Aber das scheint die Verbreitung nicht aufhalten zu können. Franz seinerseits hat sich einen fiebrigen Infekt zugezogen und ist sichtlich angeschlagen und schwach.

Der Koch Andres und seine Helfer versorgen uns zu allen Mahlzeiten bestens. Und das bei den einfachen Verhältnissen. Sie haben einen straffen Tag: Good Morning Tea, Frühstück, nach dem Frühstück Gruppenzelt abbauen, die Gruppe überholen, Gruppenzelt aufbauen, kochen, "Almuerza", Zelt abbauen, überholen, Zelt aufbauen, Teatime, Abendessen. Außerdem haben sie ein kontrollierendes Auge darauf, dass die Gruppe insgesamt genug trinkt. Als auffällt, dass unser Wasserverbrauch vergleichsweise niedrig ist, wird unsere Gruppe zu vermehrtem Trinken ermahnt. Das Wasser wird aus See oder Fluss entnommen, durch ein Tuch gefiltert, mit Jod versetzt und gekocht – und ist damit "dreimal tot", so Dimas.

Schon bald kommen wir Kunkani an. Wie schon die Tage vorher brauchen wir nur unser Zelt mit der Nummer „16“ zu suchen und einziehen. Unsere grünen Transporttaschen wurden von der Mannschaft schon in das Zelt gebracht.

Zu diesem Dorf entsteht eine besondere Nähe. Drei Männer unserer Begleitmannschaft kommen aus diesem Dorf und wir werden sehr herzlich empfangen. Inmitten der Verkaufsstände der Frauen des Dorfes, breitet Aldo auf einer Decke Kleinigkeiten für die Kinder aus. Etiketten, Klebebildchen, Luftballons und Bleistifte. Alles wird unter den Kindern aufgeteilt. Es ist für uns ein schönes Erlebnis wie die Kinder sich vorsichtig mit einer Mischung aus Neugierde und Schüchternheit nähern.

Für den Abend haben Aldo und unsere Begleitmannschaft eine besondere Überraschung für uns vorbereitet. Heute gibt es ein traditionelles Pacha-Manca. Hierzu wurde im Dorf eine Schaf gekauft, geschlachtet und gewürzt. Dann wurde das Fleisch zusammen mit ungeschälten Kartoffeln auf heiße Steine gelegt, die eine Stunde lang dem offenen Feuer ausgesetzt waren. Das Ganze wird mit einer Folie abgedeckt und mit Erde luftdicht verschlossen. Nach einer Stunde in dem Erdofen ist alles durchgegart und das Essen wird uns im Gruppenzelt serviert. Nach diesem Festmahl überrascht uns Dimas mit "seiner Erfindung": Pisco Rocket, peruanischem Glühwein. Ein toller Abend – die Überraschung ist wirklich gelungen.

Trecking 4. Tag

Der Tag beginnt heute recht früh. Den Good Morning Tea gibt es um 5.30 Uhr und um 7.00 Uhr brechen wir auf. Heute ist eine relativ lange Strecke zu bewältigen und so starten wir zeitig. Dazu kommt, dass Margret und Franz nicht gesund sind und so wird beschlossen, ein Pferd mit der Gruppe mitzuführen, das das Tagesgepäck der beiden trägt. So haben wir auch die Option, dass eine Person vom Pferd getragen werden kann, wenn dies notwendig sein sollte.

Auf unserem Weg gelangen wir an ein kleines Gehöft. Aldo nutzt die Gelegenheit und demonstriert uns den Gebrauch der Taclla, des Trittgrabstocks der traditionellen Bodenbewirtschaftung. Mittels dieses Werkzeugs werden Bodenlöcher hergestellt, in die dann die Kartoffeln gepflanzt werden. Übrigens ist Peru das Kartoffelanbauland schlechthin. So um die 3.000 verschiedene Sorten wachsen hier. Das Internationale Kartoffelinstitut befindet sich nicht ohne Grund in Lima, der Hauptstadt Perus.

Im Laufe des Tages verschlechtert sich Aldos Befinden. Auch ihn hat der Magen-Darm-Virus wohl erwischt, auch wenn er zunächst die Chicha vom Vortag in Verdacht hat. Der Arme fühlt sich "wie eine alte Sandale" und ihm fällt der Weg sichtlich schwer.

Nach ca. 2 Stunden haben wir unsere erste Pause. Auch Matthias, unser begleitender Pferdetreiber, macht es sich gemütlich. Leicht amüsiert beobachtet er unsere Anstrengungen in der Höhenluft, ist er doch schon sein ganzes Leben an die Höhe gewöhnt.

Heute werden wir zwei Pässe überwinden. Sie sind 4.218 und 4.502 Meter hoch. Kurz vor dem ersten Pass, dem Kunkani-Punto, gelangen wir an Kartoffelfeldern vorbei. Sie liegen fast auf Höhe des Passes auf 4.200 Metern Höhe. Am Pass werden wir, wie jeden Tag, von unseren Lamas eingeholt.

Wie begegnen einer alten Frau, die uns um Coca-Blätter bittet um ihren schmerzenden Fuß zu beruhigen. Das Kauen von Coca-Blättern ist in den Anden seit Jahrhunderten verbreitet. Sie helfen Hunger, Müdigkeit und Kälte zu verdrängen und sind auch wirksam gegen die Höhenkrankheit da sie die Sauerstoffaufnahme verbessern. Auch hatten und haben die Cocablätter eine spirituelle Bedeutung.

Auf dieser Route kommen nur sehr wenige Trecker vorbei. Wir sind froh, uns für diese Tour entschieden zu haben und nicht für den weltbekannten „Inca-Trail“. Im Gegensatz zum Inca-Trail, der stark touristisch geprägt ist, führt unser Treck auf noch heute genutzten Pfaden durch Dörfer und über Pässe. Die Bewohner der Dörfer durch die wir auf unserem Trecking gelangen, betrachten uns mit einer Mischung von Neugierde und Schüchternheit. Auf dem Inca-Trail würde dieses Erleben sicher ein Anderes sein.

Wir folgen einem kleinen Wasserlauf auf der rechten Seite bergauf. Der höchste Punkt des Tages ist der Ipsayjasa-Pass auf 4.502 Metern Höhe. Hier werden wir von einem heftigen und kalten Wind empfangen. Es ist sehr frostig. Es dauert nicht lange und es fängt auch noch an zu graupeln und wir legen unsere Regenkleidung an. Jeden Tag, fast zur gleichen Zeit, gewinnen die wassergesättigten dunklen Wolken  aus dem Amazonasbecken die Oberhand über das Wetter in dieser Region und es beginnt leicht zu regnen. Im Tal weiter unten können wir unsere heutige Zeltstadt am Rande eines idyllischen Sees ausmachen. In einem kurzen und schnellen Abstieg, wir bewegen uns schnell weil es so kalt ist, erreichen wir unsere Zelte.

Trecking 5. Tag

Wieder ist es schön, aber auch kalt. Zwar ist dies wirklich ein "lovely place" am See, aber diese Nacht war für Dagmar und mich nicht so erholsam. Unser Zelt steht ein wenig abschüssig und so haben wir beide in den zurückliegenden Stunden damit gekämpft, nicht immer wieder herunter in Richtung Zelteingang zu rutschen. Außerdem haben wir auf dieser Höhe Minusgrade in der Nacht. Das Zelt war abends bereits gefroren. Im Zeltinnern zeigt das Thermometer 5 Grad Celsius. Es dauert eine wenig bis die müden Knochen wieder zum Leben erweckt werden. Wir stellen aber fest, dass es fast allen gleich geht. Auch unserer Begleitmannschaft und sogar den Tieren scheint es nicht anders zu gehen.

Wir beginnen unsere Wanderung bei schönem kaltem Wetter und genießen den Blick auf die Eisgipfel von Veronica mit ihren 5.750 Höhenmetern und dem Huacratanca mit 5.039 Höhenmetern, unserem Ziel für den nächsten Tag. Hier oben erreichen wir ein Plateau das mit kleinen Wasserläufen durchzogen ist.  Wie kleine Inseln liegen große dicke Moospolster mit deren Hilfe wir die Wasserläufe balancierend überqueren. Das Springen von Polster zu Polster erinnert ein wenig an „Spiel ohne Grenzen“ – nur ohne Schmierseife. Diese Polster bilden eine stabile Unterlage und werden mit zunehmender Höhe immer dichter. Später, noch weiter oben, bilden diese Moospolster eine einheitliche Fläche. Wir gehen dann wie auf einem hochflorigen Teppich.

Auf dieser Hochebene finden wir kleine bis kleinste Blumen. Teilweise haben die Blüten nur einen Durchmesser von wenigen Millimetern.

An einer kleinen Hütte treffen wir eine alte Frau, die traditionelle Webarbeiten herstellt. Die Frauen können bei dieser Haltung stundenlang in für uns unangenehm niedrigen Temperaturen aushalten.

Das schöne Wetter ist nicht von langer Dauer. Auf dem Weg ins Patacancha-Tal bezieht der Himmel wieder und es fängt an zu regnen und zu graupeln. Zwischen warm und kalt wechselt es heute stetig hin und her. Pause in Corralpata auf 4.350 Metern. Ursprünglich war dieser Ort als Lagerplatz vorgesehen. Da dieser Platz inzwischen jedoch in Privatbesitz ist, können wir hier aber nicht nächtigen und so wollen wir unser Basislager auf 4.560 m aufschlagen. So sind wir dem Gipfel auch schon ein wenig näher. Also heißt es noch einmal, Sachen packen und Abmarsch. Auf geht’s zum heutigen „Punto Alto“ auf 4.573 Metern.

Am Abend gibt es ein besonderes Schauspiel: Wetterleuchten zu fast allen Seiten. Es folgt ein heftiges Gewitter. Als letzte verlassen Elke, Peter und Dagmar und ich das Gruppenzelt, da dieses für das frühe Frühstück vorbereitet werden muss. Zähneputzen im Hagelschauer, die Dunkelheit durch die Blitze erleuchtet - wir schlüpfen möglichst schnell in unsere kuscheligen Schlafsäcke, wohl wissend dass unsere Zelte keine Blitzableiter haben.

Trecking 6. Tag

Als wir am Morgen die Zelte öffnen, ist es, als ob eine massive Tür aufgedrückt werden muss, denn es hat über Nacht ein wenig geschneit und der Schnee ist auf den Zeltplanen festgefroren.

Heute steht die Besteigung des Huacratanca an – 5.039 Meter. Um 6.00 Uhr brechen wir zur Besteigung dieses Berges auf. Wir haben heute wieder herrlichstes Wetter und ein gute Sicht. Auch die Landschaft zeigt sich im Sonnenlicht heute von  ihrer schönsten Seite. Der Aufstieg zum 4.800 m hohen Huacratanca-Paß ist ein einziger Genuss. Die Sonne taucht die Landschaft in ein fantastisches Licht. Der Schnee glitzert und schmückt die Pflanzen, die selbst in dieser Höhe ihren Lebensraum finden. Die Blicke in die Ferne, der Anblick des angestrebten Gipfels, die kleinen Schmuckstücke am Weg, schöner kann eine Tour nicht sein.

Die Gruppe zieht sich aufgrund körperlicher Beschwerden und konditioneller Unterschiede einiger Teilnehmer sehr weit auseinander aber Dimas geht vorne und Aldo bildet den Schluss. So haben sie alle Teilnehmer immer im Blick und können eventuell eingreifen, sollte es erforderlich sein. Bevor der Gipfelanstieg beginnt, wird aber solange bei einer Pause gewartet, bis alle wieder aufgeschlossen haben.

In leichter Kletterei geht es nun dem Gipfel entgegen. Die Rucksäcke lassen wir am Pass zurück. Am Pass zieht sich die Sonne dann wieder zurück und die letzten 238 Meter legen wir in dem von den Vortagen schon bekannten Grau zurück. Der Aufstieg erfolgt über einen Blockgrat. Aldo und Dimas spannen zur Sicherheit ein Seil, da es sich hier um die technisch schwierigste Stelle der gesamten Tour handelt.

5.039 Meter – für viele, auch für Dagmar und mich, ist dieses der derzeitige  persönliche Höhenrekord. Leider ist die Sicht nicht allzu gut. Der Gipfelaufbau lässt uns nur wenig Platz. Nacheinander stellen wir uns zum obligatorischen Gipfelfoto auf. Nachdem alle Bilder gemacht sind, verwandeln unsere Bergführer die zwei Holzbalken wieder in ein richtiges Gipfelkreuz.

Nun bleibt nur noch der Abstieg ins Tastayoc-Tal, an dessen Ausgang auf 3.990 m Höhe der Bus auf uns wartet. Relativ gemütlich geht es nun bei wärmeren Temperaturen in Gespräche oder auch in Erinnerungen vertieft in das Tal hinunter. Wunderbare Tage gehen zu Ende - weite Landschaften, Begegnungen mit den Campesinos, kleine Einblicke in das Leben hier.

Wir konnten dies alles langsam aufnehmen, das Tempo unserer Füße hat für genügend Raum und Zeit gesorgt. Ein wenig wehmütig wandern wir aus dem Tal hinaus, obgleich wir wissen, dass in den nächsten Tagen noch viele Erlebnisse auf uns warten. Das Trecking war wirklich beeindruckend. Auf unsere Begleitmannschaft konnten wir uns 100%ig verlassen. Jeder einzelne dieser Menschen hat mit dazu beigetragen, dass wir diese Tage so unbeschwert genießen konnten. Die Küche war trotz der einfachen Gegebenheiten ausgezeichnet. Ein herzliches Dankeschön an Dimas und seine Mannschaft. An die gemeinsame Zeit werden wir uns oft und gerne erinnern.

Etwas müde steigen wir nun in den Bus der uns in vielen Serpentinen hinab fährt in das heilige Tal der Inka – das Urubamba-Tal. Wir freuen uns schon auf eine heiße Dusche im Hotel.

Machu Picchu

Heute führt uns unser Weg nach Machu Picchu – sicherlich ein Highlight unserer Reise.  Mit dem Zug „Vistadome“ fahren wir von Ollantaytambo nach Aguas Calientes, das in üppiger Urwaldvegetation liegt. Von hier geht es dann mit Kleinbussen 400 Höhenmeter hinauf zur sagenumwobenen Inka-Stadt. Das Wort „Machu Picchu“ kommt aus dem Qechua und bedeutet so viel wie „alter Berg“. Nach einigen Metern empor entlang ausgedehnter Terrassenlagen liegt es plötzlich vor uns – Machu Picchu. Für mich ein sehr emotionaler Moment. Schon als Junge habe ich mich für alte Kulturen interessiert und somit gehört diese Stadt und dieser Blick zu meinen Traumzielen. Nur war ich immer davon überzeugt dass dieser Traum nicht in Erfüllung gehen würde – und nun stehe ich hier. Während wir die Blicke an einem Punkt in der Terrassenanlage genießen und versuchen die Eindrücke mit jeder Faser unseres Körpers aufzunehmen, liefert Mauro uns nicht nur historische Informationen sondern bietet uns auch tiefe Einblicke in die Seele seines Volkes .

Die Stadt war lange vom Urwald überwuchert und vergessen ehe sie am 24. Juli 1911 von dem US-Amerikaner Hiram Bingham und seinem Team wieder entdeckt wurde. Erbaut wurde die Stadt einer Theorie zufolge um 1450 von Pachacútec Yupanqui, einem Herrscher der Inka, der von 1438 bis 1471 regierte. Er schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des mächtigen Inkareiches und führte den Kult um den Sonnengott Inti ein. Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und mit einem System von Treppen verbunden waren. Die meisten Terrassen mit ihren in die Mauern eingebauten kleinen Wasserablauföffnungen und etwa 3.000 Stufen sind noch immer voll funktionstüchtig. Ebenso die Kanalverbindung von der außerhalb der Stadtanlage befindlichen Wasserquelle zu den kaskadenförmig gestaffelten Brunnenbecken. Auch die Außenmauern der Tempel und zum Teil mehrgeschossigen Wohnbauten sind bis heute erhalten, voll funktionsfähig und gegebenenfalls in den letzten Jahren nach und nach in inkatypischer Bauweise rekonstruiert worden.

Vor uns taucht der Begräbnis- oder Totenfelsen auf, der die Form eines Altars besitzt. Links und rechts sind Stufen in den Fels geschlagen auf die sich die trauernden knien konnten. Am Stadttor oder auch dem Heiligen Tor erklärt Mauro uns die  Funktionsweise dieser Einrichtung. Die Befestigungen, Steinbolzen und –Zapfen für das Zugtor sind gut zu erkennen.

Wie kommen nun zum Sonnentempel. Dieser halbkreisförmige Turm mit einem Durchmesser von knapp 11 Metern ist eine architektonische Meisterleistung. Man geht davon aus, dass dieser Turm eine religiöse Bedeutung hatte. Das trapezförmige Fenster in der Mitte der Mauer ist so auf die Sonne ausgerichtet, das am 21. Juni, also zur Sonnenwende, der Strahl der Sonne direkt in eine wannenartige Vertiefung eines Felsentisches fällt, der die Mitte des Sonnentempels einnimmt.

Amanahuasi – das sind 16 aufeinanderfolgende, steinerne Becken, die durch ein ausgeklügeltes Wasserleitungssystem mit einander verbunden sind. Diese Wasserversorgung ist auch heute noch funktionstüchtig.

Wir gelangen nun an die Außenmauer des Sonnentempels die im Winkel von 13 Grad, 7 Minuten und 54 Sekunden geneigt ist. Die Neigung steht damit im direkten Verhältnis zum Äquator.

Unterhalb des Sonnentempels liegt das sogenannte „Königsgrab“. Es wurde von Bingham so genannt, weil er bei seiner Entdeckung hier zwei Mumien gefunden hat. Die Stufen repräsentieren die drei Daseinsebenen der Inka. Die Schlange steht für die Unterwelt, der Puma für die Gegenwart und der Kondor für die himmlische Welt.

Nun kommen wir zum „heiligen Platz“, der vom Palast des Hohenpriesters und dem Tempel der “drei Fenster“ begrenzt wird.  Am Palast des Hohepriesters kann man Schäden früherer Erdbeben erkennen. Der Palast und der Tempel werden nicht durch Mauern zum heiligen Platz abgegrenzt. So ähnelt der Platz eher einer großen Halle.

Nun steigen wir über Treppen zum Intiwatana, dem „Ort, an dem die Sonne angebunden wird“. Hierbei handelt es sich um einen aus einem Felssockel herausragender Granitblock der zu astronomischen Zwecken genutzt wurde. Anhand der Anordnung konnten wichtige Informationen zu Sonnenlauf, Tageszeit, Sternenbilder und Planetenbahnen gewonnen werden. Es wird deshalb auch „Sonnenobservatorium genannt“.

Nun gelangen wir zum Tempel des Kondors. Der Kondor gilt als der Mittler zwischen den Welten. Schön zu erkennen sind Schnabel und Halskrause des in den Stein gehauenen Kondors. Der Kondor wird auch heute noch verehrt.

Während die Anderen zum Essen hinab fahren, lassen Dagmar und ich die Stadt noch einmal auf uns wirken und durchstreifen sie auf eigene Faust. Wir treffen uns mit den Anderen am Bahnhof in Aguas Calientes und fahren von dort mit dem Zug nach Cuzco wo wir abends, in einem Lokal mit gutem Essen und folkloristischen Tanzdarbietungen, von dieser beeindruckenden und historischen Stadt Abschied nehmen. Denn auch wenn wir morgen den Vormittag zur eigenen Verwendung haben, so ist dies unser letzter Abend hier in dieser historisch bedeutsamen Stadt.

Cuzco auf eigene Faust

Bevor wir heute am Nachmittag nach Arequipa fliegen haben wir noch einmal Zeit, die Stadt Cuzco in Eigenregie zur erleben. Für uns noch einmal eine letzte Gelegenheit ein paar Filmaufnahmen und Fotos zu machen und dem bunten Treiben in der Stadt zuzusehen. Unser erster Weg führt natürlich wieder zur Plaza de Armas. Hier lassen wir das bunte Treiben auf uns wirken. Seit dem wir in Peru sind fallen uns überall die vielen Wahlplakate auf, denn in drei Tages ist Kommunalwahl. Während es bei uns zu Hause im Wahlkampf eher ruhiger zugeht kann man hier in Peru tatsächlich von einer Art Kampf reden. Wer kann am schrillsten und am lautesten für seine Partei und seinen Kandidaten aufmerksam machen? Wir haben Gelegenheit, einen Fahrzeugumzug einer Partei zu beobachten, die lautstark die Vorzüge ihres Kandidaten hervorhebt. Es ist sogar relativ melodisch. Wie wir später erfahren wird in Peru vor Wahlen für 48 Stunden in Lokalen und Bars kein Alkohol ausgeschenkt. Alkohol scheint in Peru in wesentlichen Bevölkerungsschichten tatsächlich ein Problem darzustellen.

Am Plaza Recoijo liegt das Museo de Historia Natural, das Völkerkundemuseum von Cuzco, auf dem die Regenbogenflagge der Inka gehisst ist. Immer wieder zieht es uns zurück zur Plaza de Armas. Die Atmosphäre, die dieser Platz ausstrahlt, ist etwas ganz besonderes. Auch die Mauern des alten Inkapalastes schauen wir uns noch einmal an.

Am Nachmittag checken wir uns dann am Flughafen in Cuzco zum Flug nach Arequipa mit einem Zwischenstopp in Juliaca ein.

Am Abend in Arequipa lernen wir noch Ivan bei der Vorbesprechung für die Besteigung des Nevado Chachani kennen. Ivan ist der mit dem Chachani vertraute Bergführer und er wird Aldo und uns mit seiner Mannschaft und der entsprechenden Logistik bei der Besteigung das Chachani unterstützen. Der Abend endet ohne einen Tropfen Alkohol, den hat Iwan uns verboten. Und alle halten sich daran.

Arequipa – Besteigung Nevado Chachani

Morgens um 7:00 Uhr werden wir mit dem Bus vom Hotel abgeholt. Nach ca. 3 Stunden Fahrt zweigen wir von der asphaltierten Straße ab auf eine Geröllpiste. Dann steigen wir auf allradgetriebene Jeeps um und fahren bis auf ca. 5.000 Meter Höhe. Zu Fuß geht es nun noch 400 Höhenmeter zum Basiscamp bevor wir dann am nächsten Tag zum Gipfel des Chachani aufsteigen. Ab jetzt wird es staubig. Schließlich befinden wir uns in der Wüste. Auf dem Weg können wir die Prinzessinnen der Anden, Vikunjas sehen.  Das Vikunja eine kleinere wildlebende Art des verwandten Lama. Es hat heute ein kleineres Verbreitungsgebiet als das Guanako das hauptsächlich in Chile anzutreffen ist und ist auf das Andenhochland in Höhen zwischen dreitausendachthundert und fünftausendfünfhundert Metern beschränkt. In den Gebieten zwischen viertausendzweihundert und fünftausend Metern scheinen seine bevorzugten Lebensstätten zu liegen. Nach weitverbreiteter Meinung ist das Vikunja demnach ein echtes Gebirgstier. Es hat die feinste Wolle der Kameliden und wurde deshalb schon zu Zeiten der Inka geschützt.

Genau vor uns liegt der Misti. Der Misti ist, ebenfalls wie der Chachani, ein Vulkan und wird von den Einheimischen aufgrund seiner ebenmäßigen Kegelform als ein heiliger Berg angesehen.

Inmitten der staubigen Landschaft, steigen wir vom Bus auf bereitgestellte Jeeps um, denn von hier aus geht es nur noch mit allradbetriebenen Fahrzeugen weiter. Wir werden im Wagen heftig durchgeschüttelt. Leider hat unser Jeep Probleme mit der Kühlung. Aus einem defekten Schlauch läuft ständig Kühlmittel heraus. So machen wir einige Zwangspausen, um den Kühlmittelverlust mit Trinkwasser auszugleichen. Ständig haben wir die Temperaturanzeige im Cockpit im Blick, die sich während der Fahrt immer weiter dem Grenzbereich nähert. Eine Überhitzung des Motors droht. Da die häufigen Notstopps unseren Zeitplan durcheinanderbringen, halten wir auf einer Ebene an und gehen von nun an zu Fuß weiter. Die ursprüngliche Planung Aldos war, mit dem Jeep noch weiter in Richtung Basislager hoch zu fahren um dann von dort aus eine kleine Akklimatisierungstour zu unternehmen. Das geht nun zeitlich nicht mehr.

Am Weg entdecken wir große grüne Polster, die Yareta. Diese langsam wüchsige Wüstenpflanze ist heimisch in den Anden. Dort wurde und wird sie unter anderem als Brennstoff gebraucht, weshalb ihre Bestände stark zurückgegangen sind. Die Yareta ist eine ausdauernde, immergrüne und extrem langsam wüchsige Pflanze. Sie bildet korallenriffartige, hügelige harte Polster und kann eine Höhe von bis zu 1,5 Meter und eine Ausdehnung von rund 30 Quadratmeter erreichen. Ihre Wachstumsrate beträgt im Jahr nur rund 1,4 Millimeter radial. Ein solches Wachstum zugrunde gelegt, lässt sich anhand ihrer Größe für besonders große Pflanzen ein Alter von bis zu 3.000 Jahren errechnen.

Wir halten uns an das von Aldo vorgegebene Schritttempo und so bewegen wir uns sehr, sehr langsam in Serpentinen immer weiter den Berg hinauf. Es sind nur 400 Höhenmeter bis zum Basislager aber wir benötigen fast 3 Stunden. Sicher hätte der Eine oder Andere schneller voran gehen können. Aber wir sind nun einmal als Gruppe unterwegs und werden auch als Gruppe ankommen. Außerdem ist die langsame Akklimatisierung an diese Höhe mit entscheidend für den Gipfelerfolg.

Schon bald nach dem Abendessen machen wir uns für die Nacht fertig. Im Gemeinschaftszelt ist es zum langen Sitzen einfach zu kalt und so hoffen wir, uns in unseren Schlafsäcken aufwärmen zu können.

Die Nacht war sehr kalt, sehr windig und sehr kurz. Wecken um 1:00 Uhr und Abmarsch um 2:15 Uhr. Es ist morgens so kalt, dass ich keine Lust verspüre die Kamera herauszuholen um Filmaufnahmen zu machen. Auch habe ich genug mit mir selbst und dem Aufstieg zu tun. Wie sich später herausstellt, ergeht es den Anderen genauso, denn Fotos vom Aufstieg sind nur sehr spärlich vorhanden. So starten diese Aufnahmen erst bei beginnendem Sonnenlicht.

Es ist ein langer und staubiger Anstieg. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Gesprochen wird nur selten bis gar nicht. Wir benötigen die Luft zu atmen nicht zum reden. Ein toller blauer Himmel und eine unheimlich klare Luft begleiten uns auf unserem Weg.

Im oberen Bereich, haben wir in Reisebeschreibungen gelesen, sollen Schneefelder zu überqueren sein. Nun, dieses Jahr nicht. Interessanterweise fällt in Peru der Schnee nicht im Winter sondern im Sommer, da dann die erforderlichen Niederschläge für den Schnee fallen. Die Steigeisen hatten wir schon auf Empfehlung Iwans im Hotel zurück gelassen. Der letzte Aufschwung zum Gipfel liegt nun vor uns.

6.075 Meter – geschafft.  Gegen 9:00 Uhr erreichen wir den Gipfel.

Am Gipfel angekommen machen wir endlich die ersehnte Pause und wir genießen nach den Mühen und Strapazen eine grandiose Aussicht. Wir haben einen weiten Blick über die Wüste hinweg zumal fast 3.700 Höhenmeter zwischen dem Gipfel und unserem Ausgangspunkt Arequipa liegen. Schon ein wenig stolz beglückwünschen wir uns gegenseitig und machen  Gipfelfotos und Aufnahmen von der Umgebung. 7 von 14 Teilnehmern haben den Gipfel erreicht. 7 haben aus unterschiedlichen Gründen wie zum Beispiel durch Krankheit und konditionellen Problemen das Unternehmen abbrechen müssen.

Nach diesen gewaltigen Eindrücken machen wir uns nun an den langen und staubigen Abstieg zum Jeep. Weiter geht es mit dem Bus zurück nach Arequipa wo der Tag entsprechend gefeiert wird. Nach gutem Abendessen in einem landestypischen Lokal sinken wir nach 23 Stunden endlich erschöpft aber glücklich in unsere Betten.

Arequipa – Stadtbesichtigung

Früh morgens – wann auch sonst – werden wir nach einer erholsamen Nacht von unserer Fremdenführerin Yvonne abgeholt.

Das auf 2.360 Meter Meereshöhe gelegene Arequipa wurde 1540 von spanischen Konquistadoren gegründet. Die Siedlung entwickelte sich bald zu einem wichtigen Zentrum der südlichen Anden. Arequipa und hat rund 780.000 Einwohner. Die Küste des Pazifiks liegt nur 75 km Luftlinie entfernt und beschert der Stadt das ganze Jahr über ein mildes und sonniges Klima. Die Herkunft des Beinamens „die weiße Stadt“, mit dem sich Arequipa schmückt, bezieht sich wahrscheinlich nicht auf das weiße Sillar-Gestein vulkanischen Ursprungs, mit dem viele der alten historischen Gebäude im Zentrum Arequipas erbaut wurden, sondern eher auf die hellere Hautfarbe der einstmals im Stadtzentrum lebenden spanischstämmigen Bewohner, die es den Einheimischen verboten, in der Innenstadt zu leben.

Gemeinsam gehen wir nun mit unserer Führerin zum Kloster Catalina. Im Kloster werden wir von einer jungen Angestellten des Klosters deutschsprachig durch die Klosteranlage geführt. Ursprünglich war das Kloster ein Internat für die Töchter reicher spanischer Familien. Die zweite Tochter der Familie wurde bereits im Kindesalter an das Kloster gegeben. Die Novizinnen mussten zunächst eine Probezeit durchlaufen und sich durch eine Prüfung für die Aufnahme bewähren. Als Mitgift hatten die Neueingetretenen Goldmünzen dem Kloster zu überreichen.

Santa Catalina hat bis zu 150 Nonnen und 300 Bedienstete beherbergt. Die Dienstmädchen wuschen die Wäsche der Nonnen und erledigten für sie den Einkauf. Die Nonnen durften das Kloster nicht verlassen und auch kein Besucher von draußen durfte sie zu Gesicht bekommen. Bei besonderen Anlässen war eine kurze Unterhaltung durch ein hölzernes Gitter möglich. Die wenigen heute noch im Kloster lebenden Nonnen wohnen in einem Seitenflügel der Anlage. Erst nach einer Renovierung wurde das Kloster im Jahr 1970 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither zählt Santa Catalina zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Süden Perus. Durch die fast 400 Jahre dauernde Abgeschlossenheit hat sich ein komplettes Städtchen mit maurischer Architektur erhalten. Diese marokkanische Bauweise kam über Südspanien nach Peru.

Jetzt besuchen wir die Kirche „Iglesia de la Compañía“. Sie liegt am unteren Ende der Plaza de Armas, dem Hauptplatz von Arequipa. Sie wurde 1595 bis 1698 für die Jesuiten gebaut und gilt als gutes Beispiel für die Vermischung des barocken und mestizischen Baustils. Die Fassade zeigt vielfältige Elemente der indigenen wie auch der spanisch-katholischen Kultur. Erst seit 1950 ist die wieder restaurierte Sakristei zugänglich, die gleichfalls reich mit farbenfrohen Ornamenten geschmückt ist. Die Kirche mit ihrer überreich dekorierten Fassade gilt als eines der wichtigsten Werke des »Mestizenbarock« vom Ende des 18. Jahrhunderts. An die Kirche schließt sich noch ein Komplex mit schönen Arkardengängen an. Auch diese Säulen und Rundbögen sind über und über mit Verzierungen des Mestizenbarock verschönert. Die Detailverliebtheit ist beeindruckend.

Am Nachmittag besuchen wir ein Museum in dem die Mumie eines geopferten Inka-Mädchens ausgestellt ist. "Juanita" taufte man die Mumie, die im September 1995 von den Teilnehmern einer Expedition in der Nähe des Ampato-Gipfels in einer Höhe von über 5.000 Metern gefunden wurde. Juanita war ein Menschenopfer der Inkas an den Berg Ampato, der dem Glauben der Inkas nach über die Wasserversorgung und die Ernte herrschte. Juanita starb Mitte des 15. Jahrhunderts durch einen Keulenschlag. Es wird vermutet, dass sie vor ihrem gewaltsamen Opfertod auch Drogen verabreicht bekam. Aus den Untersuchungen des erhaltenen Mageninhalts ergab sich, dass sie den Tag vor ihrem Tod gefastet hatte. Noch heute herrscht große Anerkennung für die damaligen Bergbesteigungen der Inkas, die mit ihrer dünnen Ausrüstung und ohne technische Hilfsmittel Höhen von mehr als 6.000 Metern erreichten. So muss auch Juanita, an deren Füßen man Sandalen fand, von Anfang an gewusst haben, dass sie zu ihrer Opferung an den Ampato auf diesen Berg stieg. Diese Opferung galt zur Zeit der Inkas als eine der höchsten Ehren, die einem Individuum zukommen konnte. Sie wurde durch die begleitenden Priester durchgeführt. Neben Juanita wurden noch andere Mumien von Menschenopfern der Inkazeit gefunden. Es handelt sich auch hierbei um Kinder, die auf für die Inka bedeutende Berggipfeln gefunden worden, so auch auf dem Gipfel des Misti bei Arequipa.

Mittlerweile schon ziemlich erschöpft genießen wir noch die Eindrücke der Plaza de Armas. Auf diesem Platz spielt sich ein buntes Leben ab. Am späten Nachmittag fliegen wir vom Flughafen Arequipa mit der „Peruvian Airlines“ nach Lima. Dort angekommen stürzen wir uns ins Nachtleben der Millionenmetropole bevor wir im Hotel gemütlich unseren letzten gemeinsamen Abend ausklingen lassen. Morgen werden wir noch eine Stadtbesichtigung von Lima mitmachen und anschließend dem Goldmuseum einen Besuch abstatten.

Lima – Stadtbesichtigung

Am Morgen werden wir von unserem einheimischen Fremdenführer Francesco am Hotel zur Stadtbesichtigung abgeholt. Lima ist die Hauptstadt Perus und die mit Abstand größte Stadt des Landes. In der Kernstadt leben 6,5 Millionen Menschen.

Mit der Stadtführung beginnen wir an der Plaza San Martin. Hier befindet sich das Reiterstandbild des argentinischen Befreiers von Peru General José San Martin, der sich im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanische Krone hervorgetan hat. Die endgültige Unabhängigkeit erlangte Peru 1824.

Unser nächstes Ziel ist die Altstadt von Lima. Rund um den Plaza Major befindet sich ein schönes Stück Peruanischer Geschichte. In der Mitte des Platzes kann man einen Bronzebrunnen von 1650 sehen. Von hier aus werden alle Kilometerentfernungen des Landes angegeben. Zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Altstadt zählt ohne Zweifel die Kathedrale von Lima, einer der berühmtesten Kirchen Südamerikas. Bei der bekannten Kathedrale handelt es sich um ein riesiges barockes Bauwerk, welches Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Nach einem Erdbeben Ende des 18. Jahrhundert wurde die Kathedrale stark zerstört und in mühsamer Kleinstarbeit anschließend wieder rekonstruiert. Die Restauration verlieh der Kathedrale ihr heutiges Aussehen. Das Kunstwerk aus der Kolonialzeit vereint barocken und klassizistischen Stil sowie Elemente aus der Renaissance. Im Inneren der Kathedrale findet man herrlich verzierte, vergoldete Altäre, eine handgeschnitzte Chorbestuhlung und eine Sammlung wertvoller Skulpturen und Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts. Francisco Pizarro, der Gründer von Lima, soll in einem Glassarg in der Kathedrale begraben sein.

Wir stehen beeindruckt vor der spektakulären Doppelturm-Fassade des Klosters San Francisco, die mächtiger wirkt als die der Kathedrale und eine der prunkvollsten von Lima ist. Wegen der Erdbebengefahr hat man die Türme des Klosters San Francisco im Herzen der barocken Altstadt von Lima nicht hoch, dafür aber pompös gebaut. Neben der prunkvollen Gestaltung der Innenräume besticht das Kloster durch einen Arkardengang gesäumten Innenhof in dem die Mönche sich im Gebet versunken erholen konnten.

Lohnend ist auch ein Besuch der Katakomben des Klosters. Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, sehen wir, dass sich unter dem schmalen Steg, über den wir gehen, rechts und links riesige Gruben befinden, die randvoll gefüllt sind mit weiß schimmernden menschlichen Knochen und Totenköpfen! Wir wandeln also buchstäblich über Leichen – teilweise kunstvoll arrangiert. Man schätzt, dass hier 70.000 Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden.

Nach einem kurzen Mittagessen in einer Kneipe, die schon von bekannten Persönlichkeiten wie z.B. Hemmingway und Picasso besucht wurde, fahren wir mit dem Bus zu einem abschließenden Besuch im Goldmuseum von Lima.

Heute am späten Nachmittag geht es vom Flughafen Jorge Chávez wieder zurück nach Hause. Während wir auf dem Hinflug in den 13 Stunden von Amsterdam nach Lima nicht geschlafen sondern höchstens ein wenig geruht haben, gelingt es uns jetzt ca. 11 Stunden am Stück durchzuschlafen.

Wir haben viel gesehen und erlebt. Schöne Landschaften, imposante Bauwerke und Orte mit Namen wie Poesie. Dank der perfekten Organisation wurden alle unsere Ziele und Erwartungen mehr als erfüllt. Der Reise- und Bergführer Aldo Guerrero hat uns neben seiner umsichtigen Führung auch tiefe Einblicke in die Seele seines Volkes gewährt.

Unser herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieser erlebnisreichen und beeindruckenden Reise beigetragen haben. Und wer weiß – vielleicht kommen wir einmal wieder – in das Reich des Kondors.