Wilder Kaiser

Eine Hüttentour im Zahmen und Wilden Kaiser


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Von Kufstein zur Vorderkaiserfeldenhütte

Mit den Autos fahren wir nach Kufstein. Nach einer kleinen Odyssee, bedingt durch eine Triathlon am Walchsee und der damit verbundenen Straßensperren - viele Wege im Tal sind aus Sicherheitsgründen für den Autoverkehr gesperrt - erreichen wir Kufstein mit nur einer kleinen Verspätung.

Gegen 10:00 Uhr besichtigen wir kurz die historische Altstadt von Kufstein und machen uns dann ungeduldig auf den Weg. Reizt uns doch das schöne Wetter und die Aussicht auf eine schöne Tour.

Nach den üblichen Vorbereitungen beginnen wir unsere Hüttentour gegen 11:00 Uhr. Zunächst geht es durch Kufstein hindurch zur Talstation des Kaiserlifts. Wir fahren nicht mit der Bahn sondern wir wenden uns in Richtung Norden und steigen auf der legendären Sparchenstiege hinauf.

Eine schweißtreibende Beschäftigung – die Wärme und die Anstrengung lassen hier so manchen an seine Grenze gelangen. Der Weg ist an diesem Sonntag sehr stark begangen. Der Anstrengung aber noch nicht genug, geht es nun auf einer schier endlos anmutenden Fahrstraße über viele viele Meter immer stetig bergauf. Eine solche Route haben wir noch nicht erlebt – schön geht anders. Hinter jeder kleinen Kurve vermuten und hoffen wir auf ein ebenes, oder wenigstens weniger steiles Teilstück – aber weit gefehlt. Es geht immer so weiter.

Bei einer Höhe von 708 Metern erreichen wir den Veitenhof mit verlockenden Sonnenschirmen mit dem Logo der Edelweißbrauerei. Für eine Einkehr nehmen wir uns aber keine Zeit. Nach ca. 2 Stunden auf diesem beschwerlichen Weg - gefühlt sind wir aber schon die doppelte Zeit unterwegs - erreichen wir die Rietzaualm auf 1.184 Metern. Wir können die Vorderkaiserfeldenhütte schon in der Ferne sehen. Nun ist es nicht mehr weit.

Aber bevor wir. uns an den Aufstieg wagen, machen wir erst einmal eine längere Pause und füllen unserer Flüssigkeitsspeicher auf. Nun geht es die letzten 150 Höhenmeter hinauf. Wir erreichen die Vorderkaiserfeldenhütte nach einer ½ Stunde.

Auch hier wird erst einmal kräftig Flüssigkeit nachgetankt ehe wir uns noch zu einem kleinen Aufstieg auf die Naunspitze auf 1.633 Metern Höhe machen. Zunächst geht es durch einen kleinen Bergwald hinauf und schon bald gelangen wir nach einigen kleineren Felspassagen auf den Gipfel.Von hier aus haben wir einen schönen Blick über das weite Inntal.

Die Wolkendecke ist wesentlich dichter geworden. Das Wetter verschlechtert sich und verheißt uns für den morgigen Tag nicht allzu Gutes.

Nach diesem kleinen Abstecher zum Gipfel der Naunspitze steigen wir wieder hinab und ruhen uns aus von dem beschwerlichen Aufstieg. Das Abendessen ist recht gut, so lassen wir den Tag erschöpft aber doch zufrieden ausklingen.

Im Regen zum Stripsenjochhaus

Ein reichhaltiges Frühstücksbüfett erwartet uns diesen Morgen. Die Wetterprognose verspricht für heute einen Regentag – aber noch hält es.  Noch guter Hoffnung verlassen wir gegen 8:25 Uhr die Hütte und wenden uns auf dem von gestern schon bekannten Weg in Richtung Naunspitze.

In der Ferne sehen wir schon einen Regenbogen – ganz hübsch – aber leider lässt er nichts Gutes erahnen. Es dauert nicht lange und schon nach wenigen Metern lassen wir die Abzweigung zur Naunspitze links liegen und wenden uns in Richtung Petersköpfl, das wir dann auch schon bald erreichen. Nach ca. einer ¾ Stunde stehen wir auf dem Gipfel in 1.745 Metern Höhe. Jetzt nur schnell ein paar Fotos und schon geht es weiter.

Wie sind gerade vom Gipfel herunter als di ersten Regenschwaden über uns hinweg ziehen. Jetzt schnell das Regenzeug anziehen – und, wir werden es den ganzen Tag nicht mehr ausziehen. Im Regen trottet ein jeder vor sich hin immer mit hoher Aufmerksamkeit, da regennasse Wurzeln und Steine den Weg erheblich erschweren.

Der Weg geht jetzt recht angenehm so dahin, das heißt, er windet sich im leichten Auf und Ab durch Latschengelände und man gewinnt nur langsam an Höhe. Wie schön wäre es, wenn wir auf diesem Hochplateau freie Sicht auf den Wilden Kaiser hätten! – Haben wir aber nicht.

So gelangen wir über den Einserkogel und den Zwölferkogel – allerdings ohne Sicht – wahrscheinlich sind wir darüber gelaufen ohne es zu merken. Nach gut 2 Stunden erreichen wir die Pyramidenspitze auf 1.997 Metern Höhe.

Nun geht es einige hundert Höhenmeter hinab, an der Kaiserquelle vorbei, die allerdings bei diesem Wetter anscheinend auch keine große Lust hat und nur tröpfelnd aus einem Stück Schlauch kommt. Kaiserquelle – das haben wir uns etwas eindrucksvoller vorgestellt. Schier endlos zieht sich der Weg am Berghang entlang, an verschiedenen Almen vorbei, Berghänge hinauf und hinab.

Endlich erreichen wir gegen 17:00 Uhr das Stripsenjochhaus auf 1.577 Metern Höhe. Aus den angegebenen 6 ½ Stunden sind ob des konzentrierten Gehens 8 geworden – und das ohne große Pausen. Denn für ein längeres Verweilen wurde es uns schnell zu kalt. Es ist schon interessant, wie viel schwerer ein an sich einfacher Weg aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse, werden kann.


Verbleibtag auf dem Stripsenjochhaus

Die Wetterprognose ist weiterhin schlecht. Eine Besserung soll erst am nächsten Tag eintreffen. Ein Weitergehen empfiehlt sich nicht. Also disponieren wir um und bleiben einen zweiten Tag auf der Hütte. Uns erwartet ein verregneter Vormittag bis das Wetter etwas aufklart und der Niederschlag endlich aufhört.

Um nicht den ganzen Tag nur herumzusitzen brechen wir zu kurzen unterschiedlichen Touren auf. Gila Andrea, Dagmar und ich wollen uns die nahe gelegenen Übungsklettersteige ansehen und ausprobieren.

Die drei kurzen Übungsklettersteige im Nahebereich des Stripsenjochhauses wurden im Juli 2008 errichtet. Sie lassen sich optimal zu einer 160 m langen Klettersteigtour kombinieren.

Der Steig erweist sich aber aufgrund der vorherigen Witterung als sehr rutschig, so dass Andrea, Dagmar und ich mit der ersten Route dieses Unterfangen beenden.

Zu allem Überfluss fängt es nun auch wieder an zu regnen. Aber dieser Tag hat der Erholung gedient und die Ausrüstung ist wieder trocken!


Vom Stripsenjochhaus durch die Steinerne Rinne zur Gruttenhütte

Entschädigung - Heute erwartet uns ein großartiger Morgen. Schwer liegen die Wolken im Tal – Hier oben herrscht aber hervorragender Sonnenschein. Heute wollen wir durch das „Herz“ des Wilden Kaisers - die Steinerne Rinne - und über den Jubiläumssteig zur Gruttenhütte wandern. Diese Etappe ist eines der Highlights der gesamten Hüttenrunde.

Wir frühstücken – packen unsere Sachen – und schon gegen 8:30 Uhr marschieren wir ab. Eine größere Gruppe ist vor uns aufgebrochen. Aber schon nach wenigen hundert Metern, holen wir sie ein. An einer geeigneten Stelle geben sie uns Gelegenheit, sie zu überholen.

Die Steinerne Rinne ist schon sehr beeindruckend. Durch nahezu senkrechte Felswände eingerahmt verläuft unser Weg. Diese Steiganlage ist zwar eine der meistbegangenen, aber auch faszinierendsten im gesamten Alpenraum: Ein Gang zwischen den beiden berühmtesten Kletterwänden des Kaisergebirges – der Fleischbank und dem Totenkirchl. Auch den Anwohnern war die Bedeutung und die Schutzwürdigkeit ihres Kaisergebirges schon früh bewusst. 1961 wurde nach einer Volksbefragung beschlossen, ein Naturschutzgebiet im Kaisergebirge einzurichten, welches zwei Jahre später eröffnet wurde. Dieses Naturschutzgebiet beinhaltet alle Gipfel des Wilden und des Zahmen Kaisers und hat eine Größe von 102 Quadratkilometern.

Gegen 11:00 Uhr erreichen wir das Ellmauer Tor. Gila, Dagmar, Mirabell aus Dresden und ich bilden eine neu zusammen gesetzte Gipfelmannschaft und begeben unas auf einen kleinen ½-stündigen Abstecher auf die Hintere Goinger Halt. Über Geröll und Schrofen folgen wir den Markierungen an der Südwestflanke der Hinteren Goinger Halt aufwärts. Der Pfad verläuft über einen grasigen Hang zu einer Felsrinne.

Durch sie hinauf und über schrofige Felsabsätze links empor folgen wir dem Weg zum Grat und zum Gipfelkreuz und können am Gipfel eine hervorragende Aussich genießen.

Schon bald steigen wir wieder hinab – wollen wir doch Annette und Andrea nicht zu lange warten lassen.

Gemeinsam steigen wir nun in Richtung Going hinab. Schon bald erreichen wir im Kübelkar die Abzweigung Richtung Gruttenhütte. Hier beginnt nun der der landschaftlich wunderschöne Jubiläumssteig. Der Jubiläumssteig führt vom Kübelkar durch interessante Felslandschaften zur Gruttenhütte. Wegen der nicht zu großen Schwierigkeiten und der guten Sicherungen ist der Jubiläumssteig ein idealer Einstieg für Klettersteiganfänger.

Der Jubiläumssteig ist für alle trittsicheren und schwindelfreien Bergwanderer am Wilden Kaiser ein Muß. Traumhafte Felskulissen, wunderschöne Aussichtspunkte und erlebnisreiche Passagen werden lange in Erinnerung bleiben.

Gegen 14:15 Uhr erreichen wir die Gruttenhütte. Da wir erst ab 16:00 Uhr unser Quartier beziehen dürfen, warten wir – nach einem erfrischendem Getränk auf der Hüttenterasse - etwas oberhalb am Berghang und genießen den tollen Ausblick auf das vor uns liegende Tal mit phantastischen Blicken auf Ellmau und Going. Bei einem guten Abendessen lassen wir den Tag Revue passieren und genießen den letzten Hüttenabend. Denn morgen folgt noch der Weg über den Scheffauer und die Kaindlütte und der letzte Abstieg nach Kufstein, wo wir unsere Hüttentour beenden werden.


Von der Gruttenhütte über den Scheffauer hinab nach Kufstein

Das Wetter verspricht für diesen letzten Tag unserer Hüttentour wieder hervorragendes Wetter. Der Ausblick ist an diesem Morgen berauschend. Meiner Meinung einer der schönsten Talblicke unserer letzten Touren. Nach einem kargen Frühstück – zwei Scheiben trockenes Mischbrot und eine Packung Marmelade, dafür aber für 7 Euro  – machen wir uns um kurz vor 8:00 Uhr wieder auf den Weg.

Zunächst geht es auf der Versorgungsstraße der Gruttenhütte in Richtung Westen einige Höhenmeter hinab. Es dauert nicht lang und wir verlassen den Fahrweg und biegen in einen lichten Bergwald ab. Etliche Ebereschen säumen unseren Weg und bilden einen tollen Kontrast vor dem weiten Talhintergrund. Zur Rechten fällt unser Blick immer wieder auf die bizarren Felsspitzen des Treffauers im Wilden Kaiser.

Annette und Andrea treffen den Entschluss, den Gipfel des Scheffauer auszulassen und stattdessen den etwas weiteren, aber dafür gemäßigten Weg um den Scheffauer herum zu nehmen. Noch können wir aber ein gutes Stück gemeinsam wandern. Etwas unterhalb von uns sehen wir die Wegscheid-Hochalm.

Zügig gewinnen wir über den steiler werdenden Pfad an Höhenmetern hinzu. Nachdem sich der Bergwald mehr und mehr zurückzieht erreichen wir einen Kessel. An der Kaiser-Hochalm auf 1.415 Metern Höhe trennen sich unsere Wege. Dagmar, Gila und ich steigen nun in Richtung der Felswände empor.

Man erkennt deutlich, dass wir uns auf der Südseite des Wilden Kaisers befinden. Die farbigen Blumen zeugen von einem milderen Klima als auf der Nordseite. Der weitere Aufstieg zum Scheffauer erfolgt über leichte aber anstrengende steile schrofige Pfade mit kurzen leichten Kraxelstellen. An mehreren Stellen sind Drahtsicherungen vorhanden.

Gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Gipfelaufbau des Scheffauer auf 2.111 Metern Höhe und haben bei diesem schönen Wetter eine tolle Aussicht auf die umgebende Bergwelt. Der Scheffauer im westlichen Ausläufer des Wilden Kaisers wird sowohl von seiner Süd- als auch von seiner Nordseite bestiegen.

Wir machen eine ausgiebige Pause und genießen die Blicke auf das weite Inntal und auf den Zahmen Kaiser. Unser Weg der ersten beiden Tourentage ist gut auszumachen. Wie auf fast jedem Gipfel finden die Dohlen ihren Weg zu uns und fordern ihren Anteil an der Marschverpflegung ein. Wir erleben überragende Blicke auf die Hohen Tauern mit den ihren beeindruckenden Gipfeln des Großglockners und de Großvenedigers und nach Osten auf den Wilden Kaiser.

Unser Abstieg führt uns über den Widauersteig, einem leichten aber steinschlaggefährdeten und teilweise ausgesetzten Klettersteig mit teilweise ungesicherten Klettereien bis zum max. 1. Schwierigkeitsgrad.

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unbedingt erforderlich. Als besondere Ausrüstung für den Widauersteig wird in der Literatur lediglich der Steinschlaghelm empfohlen den wir dann auch aufsetzen. Relativ steil führt unser Weg nun in die Rinne hinab – vorbei an bizarren Felsformationen. Etliche Seilversicherungen erwarten uns auf diesem spannenden Steig. Der Widauer Steig entpuppt sich als recht langer und genussvoller Abstieg auf dem uns nur zwei Menschen entgegen kommen.

Am Wandfuß angekommen wenden wir uns nach Westen und gelangen schon bald in einen Bergwald - trotz vieler Schatten ist es doch sehr warm und der Schweiß fließt wieder.

Gegen 14:30 Uhr erreichen wir die Kaindlhütte auf 1.250 Metern Höhe an der wir wieder Annette und Andrea treffen. Die Beiden haben schon etwas auf uns gewartet und konnten auf der Terasse schon die Köstlichkeiten der Almküche genießen. Nach einer leckeren Stärkung mit Kuchen und Getränken machen wir uns wieder auf den Weg. Wir treten die letzten Höhenmeter hinab nach Kufstein an. Für eine gute Stunde geht es Richtung Brentenjoch wo wir uns wieder aufteilen.

Andrea und Annette wählen die knieschonende Variante des Sessellifts und schweben nach Kufstein hinab. Wir drei Übrigen bemühen nochmals Muskulatur und Gelenke. Teils auf Wanderwegen, teils auf Fahrstraßen geht es hinab bis wir wieder die Festung Kufstein erblicken.

Wir hatten eine schöne Zeit mit vielen tollen Blicken, spannenden und sportlichen Touren aber auch mit Phasen der Regenerierung.

Hoffen wir, dass uns auch in Zukunft der Weg in die schöne Alpenwelt führt.