Der Berliner Höhenweg

Der Berliner Höhenweg

Eine Hüttentour in den Zillertaler Alpen


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Freitag, 05.08.05

Nach langer Fahrt erreichen wir gegen 14.30 Uhr Mayerhofen und können unser Auto für 7.50 Euro im Zentrum für eine Woche stehen lassen. Um 15.30 Uhr bringt uns der Bus zur Almbahn nach Finkenberg. Wir beginnen gegen 16.00 Uhr unseren 1100 m hohen Aufstieg über den Herrmann-Hecht-Weg, der über viele Kehren durch den Wald an Höhe gewinnt und kommen gegen 18.45 Uhr auf der Gamshütte ( 1916 m) an. In der kleinen Gamshütte mit ca. 40 Schlafplätzen hat die Wirtin einen Raum für unsere Siebener- Gruppe reserviert, der in dieser ersten Nacht nur von uns beiden bewohnt wird. Zu unserer Stärkung trägt ein Schweinsbraten mit Kraut bzw. eine Kaspressknödelsuppe bei. Die Waschräume liegen hier außerhalb der Hütte, so dass man ein paar Schritte durch die frische Luft muss, um zu ihnen zu gelangen.

Sonnabend, 06.08.05

Dichtgezogen und regnerisch präsentiert sich der erste Morgen auf der Hütte. Wir vertreiben uns nach dem Frühstück die Zeit mit Kartenspielen. Am späten Vormittag macht das Wetter doch noch auf und wir entscheiden uns, noch den Aufstieg auf die Vordere Grinbergspitze (2765 m) zu wagen und gehen gegen 11.30 Uhr los. Ein schöner Weg mit einigen wenigen Kletterstellen erwartet uns. Wir haben das Glück, eine Gemsenfamilie zu sehen und auch ein Murmeltier kreuzt unseren Weg. Es lässt sich von uns nur wenig beeindrucken. Der Gipfel bietet dann nur wenig Platz zum Verweilen.  Leider lässt das Wetter keine gute Sicht zu, aber dafür ist das uns umgebende Wolkenspiel imposant und den Weg können wir wenigstens trocken zurücklegen. Wieder auf der Hütte angekommen treffen wir auf Kai und Susanne und auch Heinrich ist schon da. Harry und Manfred erreichen gegen 19.00 Uhr die Gamshütte, sie sind in den Regen geraten. Damit sind wir vollzählig und unsere gemeinsame Zeit in den Zillertalern kann beginnen. Auf das Wiener Schnitzel am heutigen Abend hat sich Martin den ganzen Tag gefreut.

Sonntag, 07.08.05

Unsere Planung für diesen Tag sieht den Weg von der Gamshütte zum Friesenberghaus, einen langen Übergang von ca. 14 km Länge vor. Leider regnet es jedoch in Strömen und auf Nachfrage erzählt uns Johann, der Wirt, dass die Schneefallgrenze laut Ankündigung auf 1600 m sinken soll, er rät von dieser Etappe ab. So steigen wir um 8.15 Uhr im Regen in etwa zwei Stunden  nach Finkenberg ab, fahren mit den Autos nach Ginzling und wärmen uns dort bei Speckknödelsuppe im Gasthaus auf. Danach fahren wir mit dem Bus zum Schlegeisspeicher auf 1800 m Höhe und erreichen nach 2 Stunden Gehzeit gegen 15.00 Uhr bei Regen, der später in Schnee übergeht, das Friesenberghaus auf 2500 m Höhe. An diesem Abend bringt uns Heinrich das Doppelkopfspielen bei, bis wir schließlich eiskalte Schlafräume (8 Grad Celsius im Raum von Harry, Heinrich und Manfred; bei uns dürfte es durch die Außenwand noch etwas weniger sein) aufsuchen.

Montag, 08.08.05

Schnee, Schnee, Schnee. Es hat die Nacht über weiter geschneit und Landschaft und Hütte präsentieren sich im weißen Gewand. Welchen Weg sollen wir einschlagen? Wir entscheiden uns, den Versuch zu wagen, die Olperer Hütte auf der Route des Berliner Höhenweges zu erreichen und brechen gegen 8.30 Uhr auf. Der Wind weht teilweise heftig und wirbelt den feinen Schnee auf. Um uns herum immer wieder das wunderschöne Lichtspiel in den Wolken. Im Tal begleitet uns der Schlegeisspeicher und in der Ferne grüßt die Gletscherwelt der Zillertaler Alpen. Nach drei Stunden schönsten Wanderns bei Sonnenschein durch diese Winterlandschaft, belohnt durch beeindruckende Blicke auf die uns umgebende Bergwelt, erreichen wir die Olperer Hütte auf 2385 m Höhe.  Die Hütte hat eine schöne Lage mit einem Blick über den Schlegeisspeicher hinweg auf die Gipfel von Möseler, Hochfeiler und Hochferner. Wir entscheiden, hier zu nächtigen, da sich das eigentliche Tagesziel, das Furtschaglhaus als Sackgasse erweisen dürfte. Laut Aussage der Wirte ist von der Überschreitung des Schönbichler Horns bei diesen Verhältnissen abzuraten und das hätte den Abstieg vom Furtschaglhaus am nächsten Tag bedeutet. Ein langer Hüttentag beginnt. Wir genießen einen super Apfelstrudel, spielen Karten und beobachten, wie der Himmel wieder zuzieht und erneuter Schneefall einsetzt. Auch diese Hütte ist kalt, wir lernen zudem Gepflogenheiten anderer Wanderer kennen: das Trocknen von Strümpfen im Gastraum auf Tischen, befestigt mit Bierdeckeln sowie das Trocknen von langen Unterhosen auf dem Ofen – ebenfalls im Gastraum. Abends erzählt der Wirt Franz Stock, seit sieben Jahren hier Pächter, etwas zur Geschichte und Versorgung der Hütte. Nennenswert ist sicherlich die Versorgung: zwei Hubschrauberflüge im Jahr, ansonsten trägt Franz zweimal pro Tag eine Last von 35 – 40 kg aus dem Tal herauf. Die Hütte soll – vielleicht schon dieses Jahr zum Saisonende – komplett abgerissen und neu errichtet werden. Zu diesem Zweck ist zur Zeit ein Architektenwettbewerb am Laufen.

Dienstag, 09.08.05

Von der Olperer Hütte steigen wir in einer Stunde ungefähr 600 Höhenmeter zum Schlegeisspeicher herab. Vorbei an schönen Alpenpflanzen wie Alpen-Geiskraut, Glockenblumen und Alpendost – der Schnee ist schon wieder entschwunden – führt der Weg in vielen Kehren hinab ins Tal. Nach einigen Tücken, die Bushaltestelle, an der wir warten, existiert als solche nicht, fahren wir wiederum Bus. Diesmal bringt er uns zum Breitlahner auf ca. 1200 m Höhe, von wo aus wir unseren Aufstieg zur Berliner Hütte bei Sonnenschein beginnen. 960 Höhenmeter gilt es, zu bewältigen. Der Weg selbst hat keine Schwierigkeiten, überwiegend ein breiter Fahrweg, jedoch sehen wir an einem steilen Hang unser erstes Edelweiß in freier Natur. Die Blicke sind phantastisch, das Waxeckkees, die gut sichtbaren Seitenmoränen – Erdgeschichte zum Anfassen. Nach drei Stunden haben wir die Hütte auf 2040 m Höhe erreicht. Die Berliner Hütte ist eine Hütte der Superlative – das Grand Hotel der Zillertaler, um die Worte von Franz Stock zu benutzen. 1879 errichtet wurde die ursprünglich kleine Hütte durch zahlreiche An- und Ausbauten zu einer der größten Hütten im Alpenraum (ca. 200 Schlafplätze). Dass sich zur damaligen Zeit die „Hauptstadtsektion“ angemessen präsentieren wollte, zeigen der gewaltige Speisesaal und das Haupttreppenhaus. Als einzige Hütte des DAV steht die Berliner Hütte unter Denkmalschutz. Wir sind im Winterraum untergebracht und genießen eine Dusche. Danach schmeckt der Germknödel nochmal so gut, den wir auf der Sonnenterrasse genießen.

Mittwoch, 10.08.05

Diesen Tag haben wir die Möglichkeit mit einem Frühstücksbüfett zu beginnen, eine willkommene Abwechslung zu unserem Selbstversorgerfrühstück (Brot mit Nußnougataufstrich), die wir sehr gerne nutzen. Gegen 8.00 Uhr brechen wir gut gestärkt auf und erreichen nach ungefähr 1,5 Stunden den Schwarzsee. Von hier haben wir einen großartigen Blick auf den Turnerkamp (3420 m) und den Großen Möseler, mit seinen 3478 Metern Höhe der bestimmende Berg der Gegend. Nach einer kurzen Pause und einer weiteren Stunde Aufstieg befinden wir uns in der Mörchenscharte (2870 m). Diese ist im oberen Bereich steil und vereist und erfordert Vorsicht. Der Abstieg ist steil, feucht, Schotter, teilweise mit Schnee und hat im oberen Abschnitt einige Sicherungen. Nach dem steilen Schotterfeld genießen wir eine ausgiebige Rast in der Sonne, um danach den weiteren Abstieg anzugehen. Es wird zunehmend grüner. Gold Pippau, Hauswurz und andere schöne Pflanzen säumen als Farbpunkte unseren Weg. Der letzte Abschnitt des Weges ist nochmals versichert, zuletzt geht es über eine kurze Leiter hinab zum Talboden. 1050 m Abstieg liegen hinter uns. Über eine Brücke überqueren wir immer nur einer zur Zeit den Floitenbach. Danach wandern wir in vielen Kehren über ungefähr 400 Höhenmeter zur Greizer Hütte (2296 m) hinauf, auf der wir gegen 15.00 Uhr ankommen.

Donnerstag, 11.08.05

Heute machen wir uns gegen 8.00 Uhr auf den Weg. Unser Tagesziel ist die Kasseler Hütte. Der Tag verspricht wieder sehr schön zu werden.  Der Himmel ist blau, aber wir können unsere Wanderung im Schatten beginnen. Zunächst verläuft der Weg südöstlich ansteigend, zuletzt in vielen Kehren hinauf in die Lapenscharte (2700 m). Wir machen eine kurze Pause hier in der Scharte und Heinrich findet sogar eine Stempelstelle für Höhenwege vor. Jenseits der Scharte steigen wir zunächst in einem weit ausholenden Bogen, dann in Kehren hinab ins Lapenkar bis ca. 2250 m. Hier machen wir eine ausgiebige Rast in der warmen Sonne, essen, liegen, genießen. Dann geht es in einem weit nach Süden ausholenden Bogen durch den Torschluss des Stillupgrundes am nahen Gletscher vorbei. Es ist beeindruckend, mit welcher Kraft der ehemals wesentlich größere Gletscher den Untergrund geformt hat. Auf dem weiteren Weg zur Hütte, der ohne große Auf- und Abstiege verläuft, stürzt Manfred auf einer glatten nassen Felsplatte auf die rechte Schulter. Gegen 14.30 Uhr erreichen wir die Kasseler Hütte (2177 m), sitzen zunächst noch in der Sonne, füllen unsere Flüssigkeitsreserven auf und genießen einen Apfel- bzw. Topfenstrudel. Durch Arbeiten an der Wasserversorgung kommt es vorübergehend zu einem Engpass. Waschraum/Toilettenbenutzung sind tabu und auch in der Küche gibt es kein Wasser mehr. Irgendwann jedoch sind die Probleme behoben und nach einer Wäsche (allerdings ohne das sonst hier mögliche warme Wasser) genießen wir das Abendessen. Inzwischen haben sich Wolken vor die Sonne geschoben und es regnet. Es wird über den möglichen Weg und das Wetter für den morgigen Tag diskutiert.

Freitag, 12.08.05

6.00 Uhr aufstehen. Die Sorgen waren unbegründet. Der Himmel sieht vielversprechend aus und wir starten um 7.15 Uhr auf dem unteren, weil neuerem Weg zur Edelhütte. Wir gehen oberhalb des Stillupgrundes den „Siebenschneidenweg“ oder auch „Aschaffenburger Höhensteig“. Der Weg verläuft über 14 km von Schneide zu Schneide recht abwechslungsreich. Grobe Felsblöcke wechseln mit  Drahtseilversicherungen oder sanften Graswegen. Außerdem bekommen wir die Gelegenheit Gemsen zu sehen und im Bereich der Krummschnabelschneide können wir mehrere Murmeltiere beobachten bzw. sie uns. Ihr warnendes Pfeifen ist immer wieder zu vernehmen, mal weiter entfernt, ein anderes Mal ganz in unserer Nähe. Dann am Popbergnieder liegt sie vor uns – die Edelhütte. Eine letze Seilversicherung, ein wenig Geröll und hinunter geht es zur nahen Hütte, die auf 2.238 Meter Höhe liegt. Wir kommen um 16.30 Uhr an und genießen das schöne, warme, sonnige Wetter noch ein wenig draußen. Hinter uns liegt eine Etappe mit einer Dauer von 9.5 Stunden. An der Hütte leisten uns Ziegen, Hühner und auch Hafflinger Gesellschaft.

Sonnabend, 13.08.05

Ein letztes gemeinsames Aufstehen und Frühstücken. Der Weg führt uns zunächst für eine halbe Stunde gemeinsam im Nebel von der Hütte fort. Während unsere fünf Mitwanderer, Susanne und Kay, Harry, Heinrich und Manfred, den Weg zur Seilbahn nach Mayerhofen einschlagen, haben wir uns für den Abstieg in den Ort entschieden. Durch schöne Landschaft und Blumenwiesen begleitet vom unablässigen Zirpen der Grillen kommen wir an der Alpe Alpenrose vorbei. Der Weg führt uns weiter durch ein Wäldchen, in dem uns scheinbar die Tannenhäher begrüßen, bis wir Mayerhofen erreichen, wo sie endet, unsere Hüttentour in den Zillertalern. Hinter uns liegt eine sehr wechselhafte Woche mit interessanten Aussichten auf eine beeindruckende Bergwelt.